Hundefitness

. . . Vor und nach dem Sport . . .

Pawlou – Tiernaturheilkunde und Hundephysiotherapie

Husky macht Hundesport

Inhalt

Warm Up

Beim Warm Up soll der Hund lediglich Low-Impact Übungen ausführen, die er bereits kennt. Diese dienen dazu den Körper auf die anstehende Belastung vorzubereiten. Sie sollen den Hund nicht müde machen, da er sonst keine Konzentration mehr für den eigentlichen Sport hat.

Was passiert im Körper:

∙ Die Körpertemperatur wird erhöht und Stoffwechselvorgänge werden angeregt.

∙ Das Herz-Kreislauf-System kommt in Schwung. Die Herzfrequenz steigt.

∙ Dadurch wird mehr Blut durch den Körper transportiert, wodurch die Muskeln mit mehr Sauerstoff versorgt werden.

∙ Die Produktion der Synovialflüssigkeit in den Gelenken wird angeregt.

∙ Der Muskeltonus wird erhöht.

∙ Die Aufmerksamkeit des Hundes wird gesteigert und seine Koordination wird verbessert.

Ein Warm Up soll dem Hund Spaß machen und eine Abwechslung zum Alltag bringen. Das ist nicht nur wichtig für die folgenden Übungen, sondern stärkt auch die Bindung zwischen dem Hund und seinen Besitzer. Man sollte möglichst viele Muskelgruppen in das Warm Up integrieren und die Belastungsintensität langsam steigern, damit der Hund bestmöglich vorbereitet in den Sport starten kann.

Ein gutes Warm Up dauert zwischen 5 und 15 Minuten. Um die großen Muskelgruppen beim Hund aufzuwärmen ist eine Runde im Schritt, danach im Trab sinnvoll.

Danach können nochmal gezielt einzelne Muskeln an der Vorhand, dem Rücken, dem Bauch oder der Hinterhand aufgewärmt werden. Das macht Sinn, wenn der Hund z.B. viele Sprünge und schnelle Drehungen wie beim Agility ausüben soll. In diesem Fall wärmt man am besten die Vorhand noch einmal extra mit kleinen Übungen, wie Pfötchen geben, auf.

Sitz-Steh Übungen sind z.B. eine super Aufwärmung für die Hinterhand.

Warm Up Beispiel

∙ Zwei Minuten im Schritt gehen

∙ Zwei Minuten im Trab gehen

∙ Eine Minute toben

∙ Drei mal Pfötchen geben auf jeder Seite

∙ Fünf mal Steh-Sitz im Wechsel

∙ Fünf mal Platz-Sitz im Wechsel

∙ Eine Minute toben

∙ langsam im Kreis drehen – drei mal links, drei mal rechts

Das Training kann losgehen.

Cool down

Nach dem Sport heißt es: Erstmal wieder runterkommen. Die Cool down Phase dient dazu, die Belastungsintensität zu reduzieren und das Herz-Kreislauf-System zu stabilisieren. Hier werden Belastung und Bewegungsradius langsam verringert. Dadurch kommt das Herz-Kreislauf-System wieder zur Ruhe und dem Körper wird signalisiert, dass es nun Zeit ist sich wieder zu entspannen. In dieser Zeit kann sich der Hund erholen.

Was passiert im Körper:

∙ Das Herz-Kreislaufsystem stabilisiert sich wieder.

∙ Die Atmung wird normalisiert.

∙ Stoffwechselprodukte werden abtransportiert.

∙ Der Muskeltonus wird wieder gesenkt.

∙ Stress wird abgebaut.

∙ Der Hund kann mental wieder entspannen.

Genauso wie der Mensch, genießt der Hund die Zeit des Herunterfahrens nach dem Sport. Er freut sich, dass er allen Anforderungen standhalten konnte und ist nun voller Glückshormone. Daher sollte das Cool down ein fester Bestandteil nach dem Sport sein. Beim Hund reicht ein einfacher Spaziergang von 5-10 min völlig aus um wieder runter zu fahren. Die Zeit kann er gleich für sein Geschäft nutzen, um danach ein entspanntes Schläfchen zu halten.

Je schneller der Hund seine Ruhewerte nach dem Sport erreicht, desto besser ist er trainiert. Nach spätestens 20 min sollte der Hund wieder die gleichen Vitalwerte wie vor dem Sport haben. Sollte er länger zum Regenerieren brauchen, hat er sich wahrscheinlich überanstrengt. In diesem Fall sollte das nächste Training etwas kürzer oder nicht so intensiv gestaltet werden.

Ein kurzer Blick in die Vitalwerte des Hundes und wie man sie misst

Atmung:
10 – 30 Atemzüge / min

Puls:
80 – 120 Schläge / min (bei kleinen Rassen etwas höher als bei großen Rassen)

Temperatur:
37° – 39°

Die Atmung wird überprüft, indem man die Atemzüge des Hundes zählt. Dazu kann man einfach die Hand auf den Brustkorb legen und mitzählen, wie oft sich der Brustkorb hebt und wieder senkt. Hecheln zählt dabei nicht als normale Atmung. Daher zählt man erst, wenn der Hund nicht mehr hechelt.

Den Puls fühlt man am besten an der Innenseite des Oberschenkels – oben in der Beinfalte. Hier führt eine Schlagader entlang, die es ermöglicht den Puls gut zu spüren. Nach dem Sport sollte der Puls deutlich spürbar sein. Vor dem Sport muss man eventuell etwas herumtasten, bis man ihn findet.

Die Temperatur wird beim Hund generell rektal gemessen.

Muss man einen Hund dehnen?

Zum Thema Dehnen scheiden sich die Geister. Und zwar nicht nur im Hundesport. Ich konnte weder Studien noch eine Erklärung, die für mich plausibel klingt finden, warum dehnen gut oder eben schlecht sein sollte. Daher schreibe ich hier meine persönliche Meinung, die für mich logisch klingt und wie ich es selbst an meinen Hunden und mir praktiziere.

Generell bin ich der Meinung, dass ein Hund oder auch Mensch, seine Muskulatur nur dann dehnen sollte, wenn das normale Bewegungsausmaß nicht mehr erreicht wird. Also wenn die Muskulatur verkürzt ist.

Viele sagen, dass sie den Muskel durch das Dehnen verlängern. Aber ein Muskel ist durch Ursprung und Ansatz festgewachsen und nicht verlängerbar. Er kann lediglich auf seine ursprüngliche Länge wieder zurück gedehnt werden. Und das macht eben dann Sinn, wenn der Muskel verkürzt ist, da sonst die Bewegung des Hundes eingeschränkt wird.

Nun ist das Leben eines Hundes etwas anders, als das des Menschen. Der Mensch sitzt viel rum und entscheidet sich gern mal für den Fahrstuhl anstelle der Treppe und leider viel zu oft für das Auto. Obwohl er viele Wege super zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen könnte.

Ein gesunder Hund, der regelmäßig Auslauf bekommt, nicht nur im Garten gehalten oder an der Leine geführt wird, hat in der Regel keine verkürzte Muskulatur. Er muss nicht auf Treppen achten und braucht auch nicht ins Fitnessstudio zu gehen, sondern benötigt lediglich seinen natürlichen freien Auslauf und zwar regelmäßig.

Hat ein Hund eine verkürzte Muskulatur, steckt ein Grund dahinter und er gehört einem Tierarzt vorgestellt. Schließt dieser Verletzungen und Krankheiten aus, leidet der Hund wahrscheinlich an Verspannungen. Diese können unter anderem durch Fehlbelastungen oder falsche Führung (z.B. täglich bei Fuß laufen) entstehen.

Um die Verspannungen fachmännisch zu lösen, sollte man mit seinem Hund zur professionellen Hundemassage zu einem Hundephysiotherapeuten oder einem Hundemasseur gehen 

Dehnen vor oder nach dem Sport?

Bei manchen Menschen steckt das Dehnen aber so stark im Kopf, dass sie es auch gern in den Sport integrieren möchten. Dafür sollte man jedoch einige Dinge beachten.

Statisches oder dynamisches Dehnen

Beim statischen Dehnen bringt man den Muskel langsam bis zum Spannungsgefühl in die Dehnung, wo er über Sekunden bis hin zu Minuten hinweg gehalten wird. Ziel ist es, den Muskel zu entspannen und verkürzte Muskeln wieder auf eine normale Länge zu bekommen. Auf federnde und schnelle Bewegungen wird hier verzichtet. Ein gutes Beispiel für eine statische Dehnung ist Yoga.

Der Hund kann sich selber nicht statisch dehnen, was zur Folge hat, dass diese Dehnung manuell durch den Menschen auszuführen ist. Umso länger man den Muskel dehnt, desto mehr wird die Muskelkraft herabgesetzt. Beim statischen Dehnen kann dies zwischen 10 und 15 % der Muskelkraft bedeuten.

Dynamisches Dehnen wird im Gegensatz zum statischen Dehnen in eine wiederholende Bewegung integriert. Diese kann wippend oder auch schwingend sein und wird aktiv oder passiv ausgeführt. Der Muskel wird hier nicht maximal gedehnt und auch seine Spannung wird nur höchstens eine Sekunde gehalten. Für den Hund ist diese Dehnung weniger schmerzhaft als die statische.

Den Hund aktiv dynamisch zu dehnen erfordert etwas Einfallsreichtum, ist aber durchaus möglich. So kann man ihn z.B. mit einem Leckerlie im Kreis führen oder die Pfote geben lassen. Man kann ihn aber auch passiv dynamisch dehnen.

Vor dem Sport

Ob man den Hund vor dem Sport dehnt hängt von der Sportart ab, die man ausführen möchte, da die Muskelkraft im gedehnten Muskel herabgesetzt ist!

Möchte man nun eine Sportart machen die Kraft, schnelle Bewegungen und Drehungen voraussetzt, wie z.B. Agility, Frisbee oder Dogscooting, sollte man den Hund vorher nicht dehnen, da in diesem Fall die Muskulatur zu weich und geschwächt wäre. Das würde die Leistung vermindern und das Verletzungsrisiko erhöhen.

Möchte man aber mit seinem Hund eine Runde laufen, soll er gemütlich neben dem Rad traben oder man möchte im Sommer eine Runde schwimmen, kann man ihn sicher vorher leicht aufdehnen – dabei liegt die Betonung auf leicht. Die Dehnung sollte nicht bis zum Anschlag ausgeführt werden, sondern nur soweit, wie es dem Hund angenehm ist. Dadurch wird die Muskulatur weicher und Bewegungen werden geschmeidiger. Wichtig ist auch hier, dass die Muskulatur vorgewärmt ist, z.B. durch ein Warm-up. 

Nach dem Sport

Direkt nach dem Sport sollten stark beanspruchte Muskeln nicht gedehnt werden, da es sein kann, dass sich kleine Muskelfaserrisse in der Muskulatur befinden, welche wieder regenerieren müssen. Würde man den Hund nun dehnen, würden diese weiter aufreißen und die Muskulatur bräuchte länger zum Regenerieren.

Beansprucht man jedoch nur eine bestimmte Muskelgruppe, z.B. die Hinterhandmuskulatur, kann man nach dem Training die Vorderhand dehnen und anders herum.

Mit Kopf und Verstand

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, dehnt seinen Hund an Tagen wo er keinen Sport macht. Ein schönes Warm-up, danach eine Wellnessmassage mit integrierter Dehnung.

Generell sollte man sich beim Dehnen auf sein Gefühl verlassen und den Kopf einschalten. Man kann leichte Dehnübungen durchführen und den Muskel durch Palpation beobachten ob er sich an- oder entspannt. Wenn er sich entspannt, dehnt man weiter, wenn er sich anspannt, hört man auf – ganz einfach.

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Mein Name ist Manja. Ich bin Mutter von 2 wundervollen Kindern und treue Begleiterin meines Seelenhundes Balou und unser verrückten Maus Hailey. Durch Balou kam ich zur Hundephysiotherapie. In diesem Bereich habe ich diverse Aus- und Fortbildungen gemacht und mir die Aufgabe gesetzt, so vielen Hunden wie möglich zu helfen.

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